Crefelder Geschichte – eine neue Rubrik

Hallo zusammen,

Krefeld ist eine spannende Stadt. Industrie, viel Grün, der Rhein, Eisenbahn, ein Flugplatz, viel Kultur. Und Krefeld hat eine spannende und interessante Geschichte. Und die gilt es, sich erzählen zu lassen. Viele von Euch wissen ja, das wir im sozialen Netzwerk Facebook recht gut vertreten sind. Neben unserer Seite, betreiben wir vor allem viel Zeit und Aufwand um uns in den vielen Krefelder Facebook-Gruppen zu engagieren.

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Eine kleine, aber sehr feine, Gruppe heißt „Crefelder Geschichte“. Die dortige Administratorin, welch cooles Wort, Beate, hat sich bereit erklärt, hier immer mal wieder ein paar Gedanken zur Krefelder Geschichte loszuwerden. Geniale Sache, die noch an Wert gesteigert wird durch die Tatsache, dass auch andere Gruppenmitglieder hier mit Infos und Texten zum Gelingen beitragen werden. Aber, lassen wir Beate mal selbst zu Wort kommen….

„In diesem Blog der Mediothek- Krefeld darf ich ab sofort als Administrator der Gruppe „Crefelder Geschichte“ in lockerer Folge etwas zu unserer Stadtgeschichte beitragen. Ich möchte aber auch manchmal Beiträge einiger Gruppenmitglieder präsentieren und hänge an meinen Ausführungen einen Bericht zum Deichbau von Johan Crasemann.
Der Deich schützt die Bewohner unsere Stadt und es ist noch nicht so lange her, als das Rheinwasser auf dem „Alten Markt“ stand. In der Vergangenheit konnte man das Hochwasser auch schon mal in Bockum sehen, wie eindringlich im Tagebuch von Claes ter Meer beschrieben wurde.

Denn im Frühjahr 1740 ist Claes ter Meer mit seinem Großvater nach Bockum gegangen und hinter dem Bockumer Feld stand schon das Wasser vom Rhein.

Am 18. Januar 1742 schrieb sein Bruder Abraham: „Der Rhein ist hoch mit Eis zugefroren gewesen und aus diesem Grund geht das Eis zur Stunde in eine große Überschwemmung über
Auch 1776 wurde Uerdingen überschwemmt. Unzählige Menschen ertranken und die Eisschollen lagen noch im Frühjahr auf dem „Alten Markt“ in Uerdingen.
Im Jahr 1784, war das hoch aufgetürmte Eis so festsetzt, dass seine Bewegungsgeräuche bis nach Bockum zu hören waren. Vom Uerdinger Rheintor wurde ein Weg über das Eis zur anderen Rheinseite angelegt. Und wieder lief das Wasser nach Uerdingen ein. Unzählige Tiere ertranken und die Schäden an Häuser und Strassen waren extrem – so arg, das die Reparaturen ein Jahr lang dauerten. Jahre später war die Überflutung in einem Ausmaß, das die Menschen in höheren Stockwerken mit nur wenig Brot und etwas Ofenholz aushalten mussten. Das Eis war auf den Straßen und in den Kellern gefroren und es war nicht sicher, ob die Häuser dem Druck des Eises standhielten. Mitte Februar 1799 zerstörten die Eismassen das gesamte Kirchenschiff von St. Peter und es brach auseinander.
Quelle RP

Die Uerdinger mussten immer wieder mit diesen Wassermassen rechnen. Als der Rhein im Winter 1890/91 zufror, zog es auch meinen Urgroßvater als Junge zur anderen Rheinseite. Diese Gelegenheit nutzten dann später die Urgroßeltern während des Krieges – davon existierten Fotos. Leider gingen 1967 nach dem Tod der Urgroßeltern viele Bilder verloren. Mittlerweile ist aber der Rhein so aufgewärmt, dass er nicht mehr zufrieren wird. Allerdings haben meine Familie und ich ein unglaubliches Hochwasser 1995 erlebt, als das Wasser nur wenig entfernt von der Deichkrone schwappte. Da war das Rheintor aber schon lange mit schweren Balken und Sandsäcken geschlossen

Ich wohne in Uerdingen nahe dem Rhein – für mich die Lebensader am Niederrhein, ist der Fluss doch Europas meist befahrenste und längste Wasserstraße Deutschlands.“

Und wo wir gerade bei Thema Rhein sind, folgt jetzt direkt der, von Beate angekündigte Artikel von Johan Craseman…viel Spaß beim lesen 😉

Vater Rhein – der neue Deich wird gebaut
Von Johan Crasemann

Uerdingen. Ohne Mühe rammt eine Spezialmaschine die meterlangen und tonnenschweren Spundbohlen in den Uerdinger Rheindeich. Mit dem neuen Hochwasserschutz werden vor allem die Bürger der Rheinstadt geschützt. Denn so friedlich der Rhein sich in diesen Tagen zeigt, so zerstörerisch kann er während eines Hochwasser mit seiner unbändigen Kraft wirken. Diese leidvolle Erfahrung haben die Krefelder in den vergangenen Jahrhunderten ohne einen effektiven Deichschutz immer wieder machen müssen. Unter Hochwasser und Eisgang litten in erster Linie die Rheinstädter.

Vor über 700 Jahren zerstörte der Fluss sogar das erste Uerdingen. Auf einer Rheininsel in unmittelbarer Nähe des einstigen römischen Kastells Gelduba (Krefeld-Gellep) soll dieses erste Uerdingen gelegen haben. Die zivile Siedlung wurde als Schutz vor feindlichen Überfällen vom Festland auf eine Insel verlegt. Ausgrabungen lassen auf Hochwasseropfer schließen. „Wo sich diese neue Siedlung jedoch genau befand, lässt sich archäologisch bislang nicht exakt nachweisen“, sagt Christoph Reichmann, Leiter des Museums Burg Linn. Vieles spräche für eine direkte Nähe zum alten römischen Hafen und damit für eine Verlegung auf eine dem Hafen vorgelagerte Rheininsel.

Denn der Hafen wurde auch nach den Römern durch die Franken weiter betrieben, wie die drei im Jahr 1972 entdeckten Lastkähne beweisen. Mit der C14-Methode wurde nachgewiesen, dass einer aus dem 10. Jahrhundert stammt. in anderes Schiff stammt aus dem 13. Jahrhundert, jenem Jahrhundert, in dem das alte, kurkölnische Städtchen Uerdingen durch den Rhein zerstört wurde. Mindestens bis in diese Zeit muss der Hafen und ein Ort an der Mündung des Linner Mühlenbaches auf einer Rheininsel gelegen haben. Denn neben den Kähnen fanden die Archäologen bei den Hafenarbeiten Anfang der 1970er-Jahre auch zahlreiche Hinweise von Siedlungsspuren und Hochwasserschäden im Bereich der alten Mühlenbachmündung in den Rhein. Keramikscherben und zerbrochene Tierknochen deuten auf die Siedlung. Außerdem wurden Artefakte aus dem 13. Jahrhundert entdeckt sowie römische, karolingische und hochmittelalterliche Scherben. „Die Knochen haben wir erst im Zusammenhang mit der Einrichtung der Schiffshalle am Museum näher untersuchen lassen. Dabei zeigte sich, dass ein Teil der Knochen von Menschen und Tieren wahrscheinlich von Hochwasseropfern stammt, so dass es offenbar im 13. Jahrhundert ein mit großen Schäden verbundenes Hochwasser im Bereich der Mühlenbachmündung gegeben hat“, so Reichmann.

Wie viele Menschen dort lebten und wie groß die Stadt letztlich war, darüber berichten historische Quellen nichts. In einer Urkunde aus dem Jahr 1324, die der Uerdinger Lehrer und Heimatforscher Franz Stollwerck zur Datierung der Stadterhebung (1255) nutzte, wird allerdings ein Grund für die Verlegung durch den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg (1275 bis 1297) erwähnt: „Da die Stadt jedoch durch den Andrang des Rheins allmälig mit dem Untergang bedroht wurde.“ Das „allmälig“ (im lateinischen Text „successive“, „nachrückend“) deutet auf einen Prozess hin, der sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hinzog. Durch den Rhein müssen dabei auch die Kirche und der Friedhof von Alt-Uerdingen zerstört worden sein. Zum Untergang Uerdingens scheinen also diverse Hochwasser geführt zu haben, ausschlaggebend könnte jedoch ein Hochwasser 1279 gewesen sein. Wie verheerend dieses gewesen sein muss, verdeutlicht die Überlieferung, dass auch die gut 1,5 Kilometer landeinwärts am Mühlenbach gelegene alte Kirche von Linn zerstört worden sein soll.

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Trotz der wiederkehrenden Fluten versuchten Bürger und Landesherren, sich gegen den Rhein zu schützen. Im Jahr 1618 fehlte den Uerdingern schlichtweg das notwendige Holz für den Uferschutz; ein Hochwasser zerstörte in diesem Jahr große Teile der Ringmauer. In recht kurzen Abständen folgten nun schwere Überschwemmungen: 1622, 1625, 1630, 1635, 1639 und 1647. Im Jahr 1658 riss der Fluss den Wall und die Stadtmauer neben der Burg ein, Vieh ertrank und ein Teil des Ufers brach ab. Bei einem besonders schweren Hochwasser 1726 fuhr man mit Nachen (Kähnen) durch die Stadt. Am 17. März 1740 notierte der Krefelder Claes ter Meer in sein Tagebuch: „Nachmittags bin ich mit meinem Großvater nach Bockum gegangen, um das Hochwasser zu sehen. Bereits in Bockum floss das Wasser.“ Überschwemmt wurde die Rheinstadt wieder 1776. Viele Menschen ertranken. Noch im Mai lagen Eisschollen auf dem Marktplatz.

In den nächsten 200 Jahren kam es wiederholt zu schlimmen Hochwasserfluten wie nochmals 1926, als das Wasser nur 70 Zentimeter von der Deichkrone entfernt stagnierte. Das Rheintor drohte zu brechen.

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Als sich Risse zeigten, warnte Glockengeläut die Bürger vor der möglichen Gefahr. Doch das Tor, verstärkt durch zahlreiche Stützen, hielt dem Druck stand. Von den „Fluten“ zeugen heute nur noch die Pegelmarken am Rheintor, zuletzt aus dem Jahr 1995 mit dem Höchststand von 11,57 Meter.

Mit der aktuellen Sanierung des Rheindeiches wird nun ein wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzes für circa 25 000 Bürger umgesetzt. Die Arbeiten sollen zum Jahresende abgeschlossen sein.

So, wir hoffen, Euch hat der erste Exkurs in die Geschichte gefallen. Da kommt noch mehr. Die Fotos stammen von Beate selbst, bzw. von uns.

Euer Mediotheksteam

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5 Gedanken zu „Crefelder Geschichte – eine neue Rubrik

    • Ich möchte auch nicht versäumen, den beiden Verfassern Beate und Johan ein großes Kompliment auszusprechen für diese tolle Arbeit. Hut ab!

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