Gastbeitrag Crefelder Geschichte: Flugplatz Krefeld

Text von Beate Kehren-Boehm aus der Facebook-Gruppe „Crefelder Geschichte“0-stadtwald-um1900

Das 1911 noch kaum bewachsene Gelände des Stadtwaldes wurde mit seiner großen Wiese die erste Startbahn der Krefelder Piloten. Das Ereignis ebnete den Weg zur ersten Nennung als „Fliegerstadt“ und die damaligen Stadtväter (allen vorneweg das Magistratsmitglied Dr. von Hansen) wollten sich am Geschäft Luftfahrt beteiligen und suchten intensiv um 1914 geschäftliche Partner um gemeinsam eine Flugzeugfabrik mit einer Fliegerschule zu gründen.
Eine Einigung wurde allerdings bei den ersten Verhandlungen nicht erzielt und so lud die Verwaltung im Februar 1915 verschiedene Grundstückseigentümer ein und unterbreitete Kaufangebote. Widerwillig und nur mit dem Zuspruch von Pastor Nießen aus Bockum verkauften die Bauern ihr Land.
Ausgewählt wurde das Gebiet „Hohes Feld“ – neben dem Flughafen ein Gelände, mit ehemals fruchtbarem Ackerland, das aber schon vor dem ersten Weltkrieg weitgehend ungenutzt war.

Königl. Preuss. Landesaufnahme 1892 / Stadtarchiv Krefeld

Königl. Preuss. Landesaufnahme 1892 / Stadtarchiv Krefeld

Erst 1916 konnte eine Militärfliegerstation errichtet werden. Auf dem etwa 400 Morgen umfassenden Gelände folgend acht Flugzeughallen, eine Werft, ein Tanklager, eine Autohalle und ein Eisenbahngebäude. Die Krefelder Emil Schäfer und Werner Voß wurden hier ausgebildet.
1917 war der Flugplatz fertig und im Vertrag mit dem Deutschen Reich stand, dass die Stadt Krefeld das Gelände kostenlos zur Verfügung stellt. Sollte nach 30 Jahren das Gebiet nicht mehr als Flugplatz genutzt werden, müsse es der Stadt kostenlos zurückgegeben werden. Der Vertrag lief vom 1. April 1916 bis zum 31. März 1945.

Postkartensammlung Beate Kehren-Boehm

Postkartensammlung Beate Kehren-Boehm

 

Als Krefelds Fliegerheld Emil Schäfer in seiner Heimatstadt beerdigt wurde, landeten auch die berühmten Kampfpiloten Werner Voss und Manfred von Richthofen, „der rote Baron“, in Bockum – beide stürzten mit ihren Maschinen während des Krieges auch ab.
Nach Beendigung des 1. Weltkrieges besetzten Franzosen und Belgier das Flugplatzgelände. Acht Jahre später wurden Flughallen mit 1500 Quadratmetern demontiert und nach Belgien gebracht. Als die Besatzungsmächte abgezogen waren, übernahm die Stadt Krefeld das Flugplatzgelände. Am 2. Februar 1926 landete das erste deutsche Flugzeug.

Schon Mitte Mai 1926 wurde der Flugdienst Krefeld-Essen-Berlin aufgenommen. Bald übernahm die Luft-Hansa das „Krefelder System“, das darin bestand, Zubringerdienste einzurichten. Ein großer Teil der Fracht bestand aus hochwertigen Erzeugnissen der Krefelder Samt- und Seidenindustrie. Die hohen Frachtkosten für den Luftweg konnte man wegen der wertvollen Waren aufbringen. Zielorte waren in erster Linie London und Paris.

4-außenmauer

Aus dem Flughafen Krefeld wurde dann der Fliegerhorst Krefeld-Bockum, dessen Mauer an der Emil-Schäfer-Straße noch steht.

Als die Besatzung der Rheinlande beendet war, entstand 1936 in Bockum wieder ein Militärflugplatz. Noch in den 40er Jahren gab es eine richtige Empfangs- und Abfertigungshalle für Linienpassagiere und Fracht. Ein Gastronomiebetrieb bediente Gäste auch aus dem Umland – man musste kein Fluggast sein.
Während des 2. Weltkrieges starteten beim Westfeldzug von dort Flugzeugverbände, die die Bodentruppen unterstützten. Während des Krieges wurden drei Bomben auf das Gelände geworfen. Dies geschah wohl aus „Versehen“ – denn der Flugplatz war für die Alliierten ohne Interesse, da hier keine Flugzeuge mehr standen.

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Nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde der Flugplatz von den Engländern besetzt. Das Gelände hatte für die Royal Air Force kaum Wert, da es für die inzwischen entwickelten Düsenflugzeuge zu klein war. Es wurde aber teilweise als Versorgungslager genutzt. Große Flächen des Rollfeldes waren bald wieder Ackerland.
Das ehemalige Flugplatzgelände wird bebaut
Bereits Anfang September 1947 regte der damalige Landtagsabgeordnete Adolf Dembach aus Uerdingen im Landtag an, bei der Militärregierung die Freigabe des Flugplatzgeländes zu erwirken. Der Antrag wurde angenommen und mit folgender Begründung weitergeleitet:
„Der etwa 400 Morgen große frühere Flughafen besteht aus sehr gutem Ackerboden, der brachliegt. Teilweise wird er als Schafweide genutzt. Der fast vollständig von Häusern umschlossene Flugplatz wird als solcher nicht genutzt. Der Platz eignet sich vorzüglich als Siedlungsgelände.“
Dann aber gab es die ersten Einwände gegen die geplante Nutzung als Siedlungsgelände. Vorschläge waren: Errichtung einer Universitätsstadt, Bau eines Zentralfriedhofs, Verwendung als Industriegebiet, Nutzung als Segelflugplatz und Wiederverwendung des guten Ackerbodens für die Landwirtschaft.
Ende Oktober 1950 begann das Krefelder Vermessungsamt mit der kartenmäßigen Aufnahme des von der Besatzungsmacht freigegebenen Teils. Damit das Gelände bis zur Entscheidung über seine Verwendung nicht brachlag, erhielten die Landwirte Pachtverträge über zwei Jahre. Dies machte eine spätere anderweitige Nutzung möglich.
Durch den wahnsinnigen Luftkrieg waren 73,3% aller Wohnungen beschädigt oder zerstört worden. Die Kriegsheimkehrer sowie die vielen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen erhöhten die Zahl der Wohnungssuchenden. Deshalb legte die städtische Wohnungsbaugesellschaft „Wohnstätte“ 1953 einen Bebauungsplan für das Flugplatzgelände vor.
Hier zwei Fotos von Wi Ko, die später an der Gubener-Straße und an der Breslauer-Straße aufgenommen wurden.

8wiko11-breslauerstrasse19639wiko-12gubenerstrasse Der Flughafen-Gedenkstein wurde 1991 vom Bürgerverein Gartenstadt gestiftet. Der Findlingsblock an der Traarer-Strasse, wurde beim Ausbaggern am Elfrather-See gefunden. Die Bronzetafel zeigt das Eingangstor des ehemaligen Flugplatzes.

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Viel erinnert heute nicht mehr an den Flughafen Bockum. Es existiert noch die Mauer an der Emil-Schäfer-Straße, die bis an der Ecke Werner-Voß-Straße reicht.

7-Emil-schäfer-Ecke-Werner-Voß

Und wer genau auf das Grundstück an der Magdeburger-Straße (im Bereich Bergstraße) schaut, der wird die alten Betonplatten der Start- oder Landebahn sehen. Über einige Sattelitenfotos noch besser erkennbar.

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Am 23. August 1963 ist eine Boeing 727-030 der Lufthansa-Flotte in Düsseldorf auf den Namen „Krefeld“ getauft worden. Taufpatin war Magda van Hüllen, Gattin des damaligen Krefelder Oberbürgermeisters, Herbert van Hüllen. Der ersten „Krefeld“ sind zwei weitere Flugzeuge gefolgt. Seit 1990 trägt eine 737-530 den Namen. Bis Dezember 2013 flog sie kreuz und quer durch Europa.

…..und wer mehr zum Flughafen lesen möchte, dem ist das Buch „Unser C(K)refeld von 1979 bis heute“ – Andreas Storz und Helmuth Bayen – zu empfehlen. In diesem Buch befinden sich in einem Kapitel zahlreiche Fotos und informative Texte zum Thema Flughafen in Krefeld.

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2 Gedanken zu „Gastbeitrag Crefelder Geschichte: Flugplatz Krefeld

  1. Das Krefeld einen richtigen Flughafen hatte kann man sich kaum vorstellen und doch ist es so. Aber der Zufall der Geschichte wollte, daß Krefeld dieser wirtschaftiliche Vorteil versagt blieb. Schade, vielleicht. Aber manchmal glaube ich, daß es gut so ist, wie es ist. Krefeld kommt auch ohne Flughafen aus.

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