Gastbeitrag: Crefelder Geschichte – Der Flohmarkt in der Mediothek Krefeld

Hi zusammen,

Beate Kehren-Böhm, ihres Zeichen Admin der Facebookgruppe „Crefelder Geschichte“ hat uns mal wieder einen tollen Beitrag geschickt….schaut selbst:

Der Flohmarkt in der Mediothek Krefeld

Erstens: ich mag besonders Bücher über Krefeld und auch historische Romane – sehr sogar!!

Zweitens: als Leser sollte man unbedingt auf die Ankündigungen zu den Flohmärkten achten, die zweimal im Jahr an einem Freitag und Samstag in der Mediothek Krefeld stattfinden.

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Drittens: in der Mediothek befinden sich zwei Flohmarktständer im Bereich der Treppe zum Kinder- und Jugendbereich. Diese Flohmarktständer umkreise ich wie eine Motte das Licht und komme nie daran vorbei – schwierig auch am Regal vor der Kasse!! Die Auswahl ist nicht großzügig – aber man muss ja auch nicht bei jedem Besuch dort etwas passendes finden. Allerdings hat hier jeder Leser die Möglichkeit, mit einem kleinen Obolus die Mediothek zu unterstützen und etwas für sein Leseglück zu finden.

IMG_1458Wenn ich dann einen historischen Roman erworben habe, in dem ein wenig unsere Stadt beschrieben wird, wird fast jedes Buch für mich zum Leckerbissen. Eine Beute aus dem Flohmarktständer der Mediothek war vor wenigen Wochen und nur für einen Euro „Maries Schuldschein“ – eine gemütliche Geschichte mit dem Gewicht im politischen Geschehen der damaligen Zeit nach 1804

Zusammengefasst: im französisch besetzte Rheinland zu Beginn des 19. Jahrhunderts heiratet Marie den Mitinhaber einer Leinen- und Tuchweberei. Sie zieht mit ihrem Mann nach Krefeld und sie kaufen ein Haus in der Nähe des Schwanenmarktes. Hier gefällt es ihr gut und als Katholikin besucht sie die Dionysiuskirche – der Pfarrer wird ein Freund des Hauses.

Ein schönes Städtchen mit geraden und sauberen, kleinen Straßen. Auf dem Neumarkt kauft sie mit der jungen Magd Obst und Gemüse. Vor der Haustüre werden Butter, Eier und Käse angeboten. Auf der Rheinstraße lernt sie den Weber Scheuten und seine Familie kennen. Beeindruckt von den Arbeiten der Weber und den bunten Stoffen, übersieht sie nicht die oft extreme Enge in den kleinen Häusern und die meist vorhandene Armut.

Manchmal fühlte sie sich bei den angebotenen Speisen sogar heimisch. Denn im Rhein gab es den Lachs in Hülle und Fülle – ob Köln oder Krefeld, schwimmend kam der Lachs an den zahlreichen Anglern vorbei. Diese verkauften ihren frischen Lachs an Hausfrauen, Mägde und Köchinnen. Manchmal war so ein Fisch für die sparsame Wirtschafterin preiswerter als ein Schwarzbrot. Gebraten konnte er eine Köstlichkeit seit – aber es soll Mägde gegeben haben, die „keinen Lachs“ im Arbeitsvertrag stehen hatten. Andere trauten sich oft nichts zu sagen und gaben lieber der Katze etwas ab.

Nach einem kurzen Eheglück kehrt sie verwitwet mit ihrer kleinen Tochter in das Elternhaus nach Köln zurück. Dort schließt sie sich einer Runde Intellektueller und Freigeister an, die sich mit dem Leben unter dem französischen Regiment arrangiert haben. Sie findet in den Armen des Druckers Jakob auch ein neues Lebensglück, das jedoch nicht lange ungetrübt bleibt. Denn nach der Hochzeit kommt Maries Schwager aus Krefeld und spinnt neue Intrigen gegen die junge Familie. Schon einmal hatte der Krefelder Tuchfabrikant Marie betrogen: Nach dem Tod ihres Mannes stellte er ihr einen Schuldschein aus, dessen Wert sich nur auf einen Bruchteil des ihr zustehenden Erbes belief.

Die Eltern unterstützen Marie und als Großeltern lieben sie ihre kleine Enkelin Hannah und diese mag das „Kitzelspiel“, das mein Urgroßvater zu unserem größten Vergnügen auch mit uns spielte:

Ein Kätzchen,

ein Kälbchen,

ein Gänschen –

ein Killekilleschwänzchen!

…..und blitzschnell kam eine Hand und kitzelte, bis die Kinder kaum noch Luft bekamen und vor Vergnügen kreischten.

Das Sauerkraut-Rezept der Witwe Köhler:
„Sauerkraut-Reibekuchen. Man nimmt frisches Sauerkraut, schneidet es klein und rührt ein paar geriebene Kartoffeln unter. Etwas Kompott dazu – lecker“!

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Als die Preußen Köln besetzen, muss Jakob seine Druckerei schließen. Er geht nach Brabant, um sich den Truppen Napoleons anzuschließen. Wieder alleine, sieht sich Marie den Machenschaften ihres zwielichtigen Schwagers ausgesetzt. Sie entschließt sich mit der Unterstützung einiger Freunde zu einem riskanten Täuschungsmanöver. Das Manöver kann Marie als Erfolg verbuchen und sie findet einen Weg, ihr Geld demnächst aus Köln zu schmuggeln. In Nancy fangen sie ein neues Leben an: Hannah, Jakob und seine Marie.

„Maries Schuldschein“ von Werner Meffert aus dem Droste-Verlag
der Buchtitel ist ein Ausschnitt aus dem Gemälde von Heinrich Maria Hess „Marchesa Florenzi“ mit einem Ausschnitt aus der Kölnansicht von Johann Heinrich Hintze

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