TietzelsTipp: „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry,

Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz

Das Buch – eines der berühmtesten Kinderbücher der Welt – braucht man niemandem vorzustellen. Aber nachdem 2015 die Rechte des Karl Rauch Verlags, Düsseldorf, abgelaufen sind, gibt es eine Reihe neuer Übersetzungen, über die man vielleicht nachdenken kann.

Die Mediothek bietet neben der ersten Übersetzung ins Deutsche von Grete und Josef Leitgreb aus dem Jahr 1950 (Exemplar leider stark ramponiert) zwei neue Übersetzungen von 2015 an, die Reclam-Ausgabe mit dem Text von Ulrich Bossier und die Prachtausgabe aus dem Arche-Verlag mit der Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger.

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In einem Artikel in der FAZ vom Februar 2015 kommentiert Felicitas von Lovenberg diese und weitere Neu-Übersetzungen. Dort zitiert sie eine Bemerkung des Rauch-Verlegers, der behauptet, dass die „meist wertkonservativen Deutschen“ den „Klang der Originalübersetzung“, nämlich der von 1950, besonders schätzen würden. Und sicher kennen die meisten Leser eben diesen Text, der ihnen also vertraut ist.

Aber erstens kann es meiner Meinung nach eine „Originalübersetzung“ logischerweise gar nicht geben. Es gibt eine erste Übersetzung, aber die ist nicht „originaler“ als alle anderen. Jeder Übersetzer hat ein anderes Sprachgefühl und bringt deshalb seine eigene – originale – Übersetzung hervor. Zweitens stimmte es aber auch, dass der Zeitpunkt einer Übersetzung eine Rolle spielt, denn unsere Sprache ist zeitgebunden.

Wenn man jetzt die Ausgabe von 1950 zur Hand nimmt, dann kommt sie einem doch ein bisschen bieder vor. Ausdrücke wie „die großen Leute“ statt „Erwachsene“ oder „kleines Kerlchen“ und „Weisung“ statt „Vorschrift“ oder „der Eitle“, das liest man heute anders. Andererseits sind bestimmte Sätze unübertroffen. Wenn der Fuchs wissen will, ob es auf dem Planeten des kleinen Prinzen Jäger gibt, und der kleine Prinz verneint, wenn der Fuchs weiter hoffnungsfroh fragt, ob es dort Hühner gibt und er wiederum ein „Nein“ hört, seufzt er: „Nichts ist vollkommen“. Enzensbergers „Na ja, nichts auf der Welt ist wie im Paradies“ hört sich dagegen etwas gewollt an. Bossier lässt es bei der alten Übersetzung. Überhaupt, da wo die Leitgrebs eine besonders gute Formulierung gefunden haben, übernehmen viele der weiteren Übersetzer sie klugerweise. Denn manches ist einfach nicht besser zu machen. Auch der Hauptsatz: “Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ (Leitgreb, Bossier) wird durch Enzensberger nicht wirklich schöner ausgedrückt: „Man begreift gar nichts, wenn das Herz nicht dabei ist. Das, worauf es ankommt, ist mit bloßem Auge nicht zu sehen.“

Ob man Kinder heute noch mit dem „kleinen Prinzen“ berühren kann? Es schien mir immer schon eigentlich ein Buch für Ältere, denn es ist nicht nur einfach geschrieben, sondern durchaus hintergründig. Auf jeden Fall glaube ich, dass es der moderneren Sprache der beiden Neu-Übersetzungen eher gelingen kann, die Kinder von heute zu erreichen.

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