Amts- und Landgericht Krefeld

Von Beate Kehren-Böhm

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Im Februar 2016 waren wir mit unserer Facebook-Gruppe „Crefelder Geschichte“ in beiden Gerichtsgebäuden zu einer Besichtigung eingeladen. Diese Aktion wurde wunderbar erklärend begleitend mit dem Vertreter der Vorsitzenden, Richter am Landgericht Dr. Laumann, mit Christian Tenhofen – Richter am Amtsgericht und Pressedezernent des Landgerichts und zwei Justizangestellten.

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Die meisten Krefelder haben vielleicht kein gutes Gefühl beim Eintritt in dieses Gebäude. Aber wenn wir die vielleicht unangenehmen Gründe eines Besuches zur Seite schieben und uns nur auf die „Schönheit“ des imposanten Gebäudes einlassen…. schon muss man begeistert sein.

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Die „hauseigenen“ Zellen des Amts- und Landgerichts waren leider nicht zugänglich. Hier verweilten „Zwischengäste“, die auf ihre Verhandlung oder die Rückführung nach Anrath warteten. Und da war für uns aus Sicherheitsgründen nun mal kein Einlass. Aber ein Blick aus einem sonst nicht zugänglichen Bürofenster war möglich – bis in den Innenhof des Gefängnisses.

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Und dass auf der Steinstrasse einmal die Strassenbahn fuhr, wussten die meisten netten Nasen aus unserer Gruppe vorher auch nicht.

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Oben in einem der weitläufigen Flure hängt im Großformat ein Foto vom historischen Schwurgerichtssaal. So viel angestaubte Romantik hatte leider keinen Bestand.

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Ein Justizangestellter mit ganz viel Wissen führte uns durch das arg angestaubte Aktenlager. Stöbern unter Aufsicht war möglich.

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…und die älteste Akte in diesem Gericht stammt aus dem Jahr 1903

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Aus dem Aktenlager den Weg weiter unter den Dachbalken und man steht unter der Kuppel, die am Preußenring zu sehen ist – genial!!

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Unter den Balken der riesigen Kuppel befinden sich auch die Motoren für die mächtigen Lampen im großen Sitzungssaal – denn irgendwie muss man mal zu reinigen da dran kommen….

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Die wunderschöne Stuckdecke, wurde mit großem Aufwand um 1976 aufwändig restauriert.

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Diese Fenster konnten trotz einem neuen, angehängten Bürotrakt erhalten werden da der „Zwischenraum“ beleuchtet wird.

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Hier ein Link von Justiz-Online, der viele Infos aufzeigt:
http://www.lg-krefeld.nrw.de/behoerde/gerichtsvorstellung/historie/index.php

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Zentralblatt der Bauverwaltung. Ausgabe 43. 1923, Nr. 51/52
Erschienen 1923
Das „Zentralblatt der Bauverwaltung“ widmet am 27. Juni 1923 dem Neubau des Landgerichts und der Erweiterung des Amtsgerichtes in Krefeld einen großen Artikel.
http://digital.zlb.de/viewer/image/14688302_1923_027/1/#topDocAnchor

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Unsere Mitglieder aus der Facebook-Gruppe „Crefelder Geschichte“ waren wohl die bisher einzigen Bürger – außer Schul- und Studienklassen – die sich für das Gebäude ausführlich interessierten. Noch einmal möchten wir uns bei den begleitenden Fachleuten wie Richter und Justizangestellten für ihre geduldigen Erklärungen und ihre Zeit bedanken.

Ein entspannter Abschluss bei Kaffee, kühlen Getränken und einem kleinen Imbiss hatten wir uns später tatsächlich verdient!

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Wer nichts sieht, der weiß auch nichts

von Beate Kehren-Boehm

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Wer nichts sieht, der weiß auch nichts.

Diesen Satz habe ich immer vor Augen, wenn ich durch die Stadt gehe oder fahre. Es gibt so viel zu sehen, dass unser Wissen um die Stadtgeschichte erweitert oder erweitern könnte.

Als Beispiel die alten Villen der Fabrikanten. Die „Reviere“ in unserer Stadt. Wer hat hier gewohnt? Welche Geschichte wird da geschrieben? Zu nennen wären da auch die Villa Poelzig, Haus Gompertz, Haus van Heys, Villa Wirichs, Revier Ulmenstrasse, Villa Waldhof… um nur einige Orte zu nennen.

Krefelder Gärten und Parks sind immer eine Reise wert. Überall gibt es etwas zu sehen und Daheim kann man sein Wissen um die Geschichte der Stadt auffrischen oder auch ergänzen.

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Wir haben uns zuletzt auf den Weg gemacht und haben Wetterfahnen und alte Wetterhähne gesucht. Bei dieser Gelegenheit kann man seinen Blick auf schöne Häuser mit wunderbarem Stuck bewundern oder auch alte Haustüren. Es existieren Wandbilder aus den 50er Jahren, Brunnen, Wasserspiele und noch zahlreiche Denkmäler.

In den letzten zwei oder bald drei Jahren befindet sich die Stadt in großen Veränderungen. Überall wird gebaut – manchmal nicht mit der Zufriedenheit der Bürger. Aber man muss nicht alles schön finden. Hauptsache, es passiert etwas und wenn dann alle sorgsam mit allem NEUEN umgehen, wird das Stadtbild auch wieder schön werden.


Wer nichts sieht, der weiß auch nichts.

Ich hatte Bedenken mit der „Pokemon-Sucht“ – wollte aber auch nicht zu der heutigen Miesepeter-Gesellschaft gehören. Also: abwarten! Nun muss ich sagen, das die neuen Reize und Trends mich mitgezogen haben – obwohl ich mich nicht der Masse anschließen wollte. Ich werde das Pokemon auch nicht nutzen, da ich mit meinem Handy nur telefoniere. Aber mich begeistert es, das die Jugend zur Zeit ein verstärktes Teamwork entwickelt und sich mehr Bewegung gönnt. Es ist also erstmal nicht alles schlecht. Ich erinnere an unsere Schnitzeljagd – im Prinzip ähnlich!

Der 23jährige Sohn ist z.B. früh aus dem Haus mit der Freundin. Man trifft sich mit anderen Fans, um die Stadt zu erkunden. Das finde ich mehr als positiv – denn dabei lernen sie etwas. Denn es ist jetzt Sonntagnacht, etwa 1:09 Uhr und hier in Uerdingen sitzen etwa 35 junge Leute auf dem Mäuerchen, andere mit Campingstühlen vor dem Nord-West-Türmchen an der ehemaligen Stadtmauer um einen Pokemon einzufangen. Ich bin mir sicher, dass die meisten vorher das Türmchen nicht kannten.

Wie das im Strassenverkehr ablaufen soll, weiß ich nicht, aber da kommt jetzt das Stichwort Eigenverantwortung ins Spiel.

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Fotos
No 1 – Blick von der Terrasse der KR-ONE im Behnischgebäude

No 2 – Rheinoase

No 3 – Am Rheintor

No 4 – Burg Linn

No 5 – Museum

Besuch im Kaiser-Wilhelm-Museum

Besuch im Kaiser-Wilhelm-Museum von Beate Kehren-Böhm

Am ersten Wochenende im April konnten wir als Gruppe von 24 netten Nasen unter der Leitung von Herrn Janzen das renovierte und auch restaurierte Kaiser-Wilhelm-Museum besuchen. In knapp zwei Stunden versorgte uns Herr Janzen mit außergewöhnlichen Informationen und auch „Insider-Wissen“. Dafür noch einmal ein großes DANKESCHÖN!

Weiße leere Wände und Räume voller Licht konnten wir als Besucher wohltuend wahrnehmen. Kunst gab es nur in einem Raum – das nach 40 Jahren wieder in vier Wandbereichen freigelegte Gemälde von Johan Thorn Prikker, das der Künstler 1923 gestaltet hatte.

Allerdings hat es mich erstaunt, dass einige Krefelder so wenig über das Museum und vor allen Dingen zum Namensgeber Kaiser-Wilhelm I wissen. Ein großer Fehler beruht auch darin, dass die Vermutung, es ginge hier um Kaiser Wilhelm I I wirklich völlig falsch ist.

Dazu aus dem Bundesarchiv Bild 102-00625A: Kaiser Wilhelm I. mit Sohn, Enkel und Urenkel:

1-Bundesarchiv_Bild_102-00625A,


Wilhelm I.: * 22. März 1797 † 9. März 1888 – Kaiser ab 1871

Friedrich III.: 18. Oktober 1831 † 15. Juni 1888 99-Tage-Kaiser,

Wilhelm II.: 27. Januar 1859 in Berlin; † 4. Juni 1941 in Doorn, von 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen

Wilhelm: 1882-1951, Kronprinz, Chef des Hauses Hohenzollern 1941-1951 * 6. Mai 1882 † 20. Juli 1951 in Hechingen

Als Wilhelm I am 9ten März 1888 stirbt, wünschten Stadtverordnete und Bürger ein Denkmal zu Ehren des Kaisers. So entstand der Gedanke nach einem Standbild und nach einem Museum, das aus zum großen Teil privaten Mitteln finanziert werden sollte. Die Sammelaktion wurde großartig mit damals 100.000,- Mark unterstützt von Marianne Rhodius.

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Mein Urgroßvater hat mich 1957 oder 1958 erstmalig in das Museum geführt und damals ging ich noch nicht zur Schule. Wenn ich später bei den Urahnen auf der Gabelsbergerstrasse zu Besuch war, waren Einkäufe immer auf der Marktstrasse geplant – angefangen bei Casaretto, im Sommer ein kleines Bier für den Uropa bei Herbst, Fischbörse, später dann auch die Sparkasse, Kerfs, Sommer auf der linken Seite und an der Kreuzung zum Metzger – daneben war einer der ersten Selbstbedienungsläden in Krefeld. Konsum und später Rewe? Das weiß ich nicht mehr. Aber dass wir manchmal zuerst in das Kaiser-Wilhelm-Museum gingen, gehört zu meinen selbstverständlichen Erinnerungen. Immer mit einer kleinen Kletterei auf dem Relief von Luis Tuaillon verbunden. Auch heute noch ein Objekt der Kinder zum klettern.

Sehr gut kann ich mich an den imposanten Treppenaufgang im Museum erinnern und an die große Kaiser-Figur, die dort seit 1899 in der Nische stand. Das erklärt heute jedem Passanten die unbehauene Rückseite . Das folgende Foto stammt aus meiner Postkartensammlung:

3-TreppenaufgangMit der absolut umfangreichen Baumaßnahme der letzten Jahre gehört auch ganz sicher die Anhebung des Daches im nördlichen Flügel. Hier wurde mit dieser Baumaßnahme einiges an Platz dazu geschaffen. Der neue Bereich ist auf dem folgenden Foto gut erkennbar.

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Etwa 12.000 Besucher waren an diesem ersten April-Wochenende im neu eröffneten Kaiser-Wilhelm-Museum. Die Besucher aus unserer Gruppe vergessen nicht die 17,7 Millionen Euro, die diese Renovierung gekostet hat. Allerdings sehen wir hier einen fantastischen Umbau, der für die kommenden Generationen erhalten werden konnte. Chapeau!

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Ein ganz besonderes Vergnügen war die Veranstaltung am Sonntagabend um 20:30 Uhr. Trotz leichtem, zeitweiligem Nieselregen stand der Westwall voll mit Menschen, die teilweise staunend das Spektakel beobachteten. Meiner Familie und mir hat diese bunte Aktion gut gefallen – auch wenn der Mann neben uns seiner Gattin zuraunte „ na ja, für Krefeld ging das ja so“
Ach, diese Pessimisten und ewigen Nörgler….. unverbesserlich!

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Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Museums ist am 2ten Juli 2016

Wer mehr über die grandiose Abschlußveranstaltung sehen möchte, kann dies auf dem YouTube-Kanal unter >>>
Abschlußveranstaltung Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld“ oder unter „Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld Abschlußveranstaltung

Gastbeitrag: Crefelder Geschichte – Der Flohmarkt in der Mediothek Krefeld

Hi zusammen,

Beate Kehren-Böhm, ihres Zeichen Admin der Facebookgruppe „Crefelder Geschichte“ hat uns mal wieder einen tollen Beitrag geschickt….schaut selbst:

Der Flohmarkt in der Mediothek Krefeld

Erstens: ich mag besonders Bücher über Krefeld und auch historische Romane – sehr sogar!!

Zweitens: als Leser sollte man unbedingt auf die Ankündigungen zu den Flohmärkten achten, die zweimal im Jahr an einem Freitag und Samstag in der Mediothek Krefeld stattfinden.

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Drittens: in der Mediothek befinden sich zwei Flohmarktständer im Bereich der Treppe zum Kinder- und Jugendbereich. Diese Flohmarktständer umkreise ich wie eine Motte das Licht und komme nie daran vorbei – schwierig auch am Regal vor der Kasse!! Die Auswahl ist nicht großzügig – aber man muss ja auch nicht bei jedem Besuch dort etwas passendes finden. Allerdings hat hier jeder Leser die Möglichkeit, mit einem kleinen Obolus die Mediothek zu unterstützen und etwas für sein Leseglück zu finden.

IMG_1458Wenn ich dann einen historischen Roman erworben habe, in dem ein wenig unsere Stadt beschrieben wird, wird fast jedes Buch für mich zum Leckerbissen. Eine Beute aus dem Flohmarktständer der Mediothek war vor wenigen Wochen und nur für einen Euro „Maries Schuldschein“ – eine gemütliche Geschichte mit dem Gewicht im politischen Geschehen der damaligen Zeit nach 1804

Zusammengefasst: im französisch besetzte Rheinland zu Beginn des 19. Jahrhunderts heiratet Marie den Mitinhaber einer Leinen- und Tuchweberei. Sie zieht mit ihrem Mann nach Krefeld und sie kaufen ein Haus in der Nähe des Schwanenmarktes. Hier gefällt es ihr gut und als Katholikin besucht sie die Dionysiuskirche – der Pfarrer wird ein Freund des Hauses.

Ein schönes Städtchen mit geraden und sauberen, kleinen Straßen. Auf dem Neumarkt kauft sie mit der jungen Magd Obst und Gemüse. Vor der Haustüre werden Butter, Eier und Käse angeboten. Auf der Rheinstraße lernt sie den Weber Scheuten und seine Familie kennen. Beeindruckt von den Arbeiten der Weber und den bunten Stoffen, übersieht sie nicht die oft extreme Enge in den kleinen Häusern und die meist vorhandene Armut.

Manchmal fühlte sie sich bei den angebotenen Speisen sogar heimisch. Denn im Rhein gab es den Lachs in Hülle und Fülle – ob Köln oder Krefeld, schwimmend kam der Lachs an den zahlreichen Anglern vorbei. Diese verkauften ihren frischen Lachs an Hausfrauen, Mägde und Köchinnen. Manchmal war so ein Fisch für die sparsame Wirtschafterin preiswerter als ein Schwarzbrot. Gebraten konnte er eine Köstlichkeit seit – aber es soll Mägde gegeben haben, die „keinen Lachs“ im Arbeitsvertrag stehen hatten. Andere trauten sich oft nichts zu sagen und gaben lieber der Katze etwas ab.

Nach einem kurzen Eheglück kehrt sie verwitwet mit ihrer kleinen Tochter in das Elternhaus nach Köln zurück. Dort schließt sie sich einer Runde Intellektueller und Freigeister an, die sich mit dem Leben unter dem französischen Regiment arrangiert haben. Sie findet in den Armen des Druckers Jakob auch ein neues Lebensglück, das jedoch nicht lange ungetrübt bleibt. Denn nach der Hochzeit kommt Maries Schwager aus Krefeld und spinnt neue Intrigen gegen die junge Familie. Schon einmal hatte der Krefelder Tuchfabrikant Marie betrogen: Nach dem Tod ihres Mannes stellte er ihr einen Schuldschein aus, dessen Wert sich nur auf einen Bruchteil des ihr zustehenden Erbes belief.

Die Eltern unterstützen Marie und als Großeltern lieben sie ihre kleine Enkelin Hannah und diese mag das „Kitzelspiel“, das mein Urgroßvater zu unserem größten Vergnügen auch mit uns spielte:

Ein Kätzchen,

ein Kälbchen,

ein Gänschen –

ein Killekilleschwänzchen!

…..und blitzschnell kam eine Hand und kitzelte, bis die Kinder kaum noch Luft bekamen und vor Vergnügen kreischten.

Das Sauerkraut-Rezept der Witwe Köhler:
„Sauerkraut-Reibekuchen. Man nimmt frisches Sauerkraut, schneidet es klein und rührt ein paar geriebene Kartoffeln unter. Etwas Kompott dazu – lecker“!

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Als die Preußen Köln besetzen, muss Jakob seine Druckerei schließen. Er geht nach Brabant, um sich den Truppen Napoleons anzuschließen. Wieder alleine, sieht sich Marie den Machenschaften ihres zwielichtigen Schwagers ausgesetzt. Sie entschließt sich mit der Unterstützung einiger Freunde zu einem riskanten Täuschungsmanöver. Das Manöver kann Marie als Erfolg verbuchen und sie findet einen Weg, ihr Geld demnächst aus Köln zu schmuggeln. In Nancy fangen sie ein neues Leben an: Hannah, Jakob und seine Marie.

„Maries Schuldschein“ von Werner Meffert aus dem Droste-Verlag
der Buchtitel ist ein Ausschnitt aus dem Gemälde von Heinrich Maria Hess „Marchesa Florenzi“ mit einem Ausschnitt aus der Kölnansicht von Johann Heinrich Hintze

Gastbeitrag: Crefelder Geschichte – Krieg und Frieden

Hallo zusammen,

Beate Kehren-Böhm hat mal wieder ihr Archiv für uns geöffnet. Heraus kam eine spannende Geschichte aus der Besatzungszeit. Lest mal rein, ist ein spannendes Stück Zeitgeschichte…

Krieg und Frieden

Das Thema „Krieg und Frieden“ begleitet uns mehr oder weniger schon seit Jahren und mein Beitrag dazu ist eine Geschichte aus der belgischen Besatzungszeit. Diesen Bericht bekam ich 1989 aus einem Nachlass (Verfasser unbekannt) auf dem damals üblichen „Seidenpapier“ geschrieben. Das Original habe ich 2005 dem „Arbeitskreis Heimat“ in Fischeln überlassen.

Aus Fischelns Besatzungszeit
Bericht von einem Zeitzeugen – Original übertragen
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In kurzen Zügen soll im folgenden ein Bericht gegeben werden über die Zeit der Besatzung. Viel besonderes ist nicht zu melden.

Alle die 1000 Eingriffe, die mit der Besatzung verbunden waren, in die Freiheit des Einzelnen, der Gemeinde und der Verwaltung sollen nicht im Einzelnen behandelt werden. Diese liegen ja fest in den Generalakten jener Zeit, in den zahllosen Avis und Ordonancen der Militär- und Zivilbehörden der Alliierten. Was sie anordnen, erstreckt sich ja über die ganze 4. Zone, sodaß Fischeln ohne Weiteres all den vielen Unannehmlichkeiten, die sie vorschrieben, unterworfen war. Es soll darum lediglich das Eine oder auch Andere, das Ortsbedeutung hatte, in den folgenden Zeilen für die Nachwelt festgehalten werden.

Am 7.Dezember 1918 zog eine belgische Division in Krefeld ein und die ersten dreisprachigen Verfügungen erschienen an den Anschlagsäulen. Wenige Tage später am 10.12.1918 rückten in Fischeln 800 Mann Feldartillerie ein, die in Bürgerquartieren untergebracht wurden. Obschon versucht wurde die Verteilung der Einquartierung mit den Quartiermachern unter Zuhülfenahme des das Französische gewandt beherrschenden Herrn Pitsch von hier möglichst rasch zu erledigen, was mit Rücksicht auf die Unterbringung der Pferde sehr schwierig war und die Truppen möglichst enge zusammen gelegt werden sollten, kam es zu Beschwerden des Kommandanten hierüber, sodaß der Bürgermeister wie auch der Landrat sich hierzu äußern mußten, worauf die Sache auf sich beruhen blieb.

Zur besseren und leichteren Orientierung mußten sogleich an den Ortseingängen große Schilder mit den Ortsnamen und Richtungsschildern zu den Nachbarorten angebracht werden. Gleichzeitig begann die Bahn- und Postsperre; der Verkehr mit dem rechtsrheinischen Gebiet war vollständig unterbunden, für das Verlassen des Ortes waren Geleitscheine nötig; innerhalb weniger Tage mußten alle über 14 Jahre alten Leute einen Personalausweis mit Lichtbild haben, hinter jeder Haustüre waren Hauslisten anzubringen usw. usw.

Am 11. 12. 18 war die erste Pferdemusterung auf dem Marienplatz. Bei der Gelegenheit wurden 23 Pferde requiriert. Verhängnisvoll war dabei die Auffassung der belgischen Behörden gegenüber jener der deutschen bezgl. des Begriffes Kriegsbeute. solche Pferderequisitionen folgten in großer Anzahl, insgesamt sind an unserem Orte 194 Pferde beschlagnahmt worden. Bei einer dieser Requisitionen bat ein Bauer, dem man schon verschiedentlich Pferde genommen hatte, den leitenden Offizier, man möge ihm  doch sein Tier lassen, da er schon zwei abgegeben hätte, worauf dieser stolz antwortete:“ C’est le jus du conquérant!“

Am 16. Dezember 1919 rückte die für Fischeln bestimmte Besatzung in Stärke von 3 Batterien und 350 Mann Infanterie hier ein. Vom 20.6.19 ab wurden die Mannschaften in Sälen unter-gebracht; lediglich Offiziere, Feldwebel und Stäbe lagen noch in Privatquartieren.
In der Marienschule war eine Wachstube eingerichtet, sodaß verschiedentlich der Unterricht ausfallen mußte. Auch in der Südschule war ein Raum requiriert und im Juli 1919 wurde dort ein zweiter Raum für Besatzungszwecke in Anspruch genommen. In den Schulräumen betrug sich die Soldateska ziemlich rüde, Bilder wurden zerschlagen, Türen an den Schränken eingestoßen, und die Aborte wurden unwegsam.

Anfang April wechselt die Besatzung; waren bis dahin größtenteils ältere Soldaten hier, so kamen nun erheblich jüngere Jahrgänge, deren Benehmen gegenüber der Bevölkerung bedeutend rücksichtsloser und zügelloser war.
Am Weihnachtsabend 1919 mußte Fräulein Dolbaum noch um 12 Uhr abends ein Bad richten für den bei A. Buscher wohnenden Offizier und seine Frau. Auch sonst waren mit der Einquartierung viele Unanehmlichkeiten verbunden. Am unangenehmsten wurde es empfunden, daß die Besatzung mit „Madame“ logierten, wobei  „Madame“ sehr oft eine Freundin war.

Im Juni kam es in Krefeld zu groben Ausschreitungen der Besatzungstruppen. Die Folge davon war auch hier Geschäftsschluß um 5 Uhr, die Straßenbahnen durften nur bis 5 Uhr verkehren und es wurde der Belagerungszustand erklärt. Erst am 2. Juli 1919 wurde der Tag- und Nachtverkehr freigegeben, sodaß man fürderhin einen besondern „Nachtschein“ nicht mehr brauchte. Und als Ende Juli das große internationale Rennen in Krefeld war, wurden die Straßenbahner, die gerade streikten, dazu gezwungen, einige Stunden zu fahren. Um aber der Gesellschaft das Verdienst nicht zukommen zu lassen, kassierten die Schaffner an dem Tage nicht, sodaß jeder frei fahren konnte.

Arbeitskreis-Heimat-Fischeln

Die Kommandantur wurde bei Wolf (Marienstr. – Clemensstr.) eingerichtet bis sie an 19.12.1918 an der Düsseldorferstraße 87 untergebracht wurde. Diesem Kommando unterstanden die beiden Gemeinden Fischeln und Osterath. Am 17.6.19. wurde die eigene Kommandantur aufgehoben und Fischeln wurde Krefeld unterstellt. Am 8.7.1919 wurde die Kommandantur Fischeln wieder eingerichtet und am 12.9.19 nach Osterath verlegt. Am 6.1.1920 verließ die hiesige Besatzung unseren Ort, nachdem am Tage vorher ein betrunkener Soldat die Frau des Wirtes Heinrich Wolf von der Marienstraße erschossen hatte. Der Soldat wollte abends nach 10 Uhr noch in die Wirtschaft, die Tür war aber bereits geschlossen. Als ihm auf mehrmaliges Klopfen und Rufen nicht geöffnet wurde, lief der Soldat in sein nahegelegenes Quartier auf der Clemensstraße (bei Nobisrath) holte seinen Karabiner und schoß durch die Tür. Dabei traf er die Wirtin in den Kopf sodaß sie kurz darauf starb. Der Soldat wurde vom belgischen Kriegsgericht am 16. Juli 1920 zu Zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Während des Ruhrkampfes wurde der Arbeiter Scholtisseck beim Ueberschreiten des Bahndammes an der Gladbacherstraße von einem angetrunkenen belgischen Posten angeschossen und am Beim so schwer verletzt, daß er noch heute Rente beziehen muß.
Wie die Besatzung ihren guten Ruf sicherte, zeige nur ein Beispiel. Beim Wirt Holzapfel wurde kurz vor dem Abrücken der Besatzung ein Motor nächtlicherweise gestohlen und auf dem  Grundstück des Schmiedes Wolf unter der Asche vergraben. Dort fand er sich zufällig. Jetzt erinnerte sich Wolf, daß einige Tage vorher die bei ihm quartierten belgischen Soldaten nachts mit ölbeschmutzten Händen aus dem Hof gekommen waren. Da er den Verdacht äußerte, wurden Holzapfel und Wolf vors Militärgericht nach Krefeld geladen, wo ihnen dann von ihrem Verteidiger Dr. Meyer geraten wurde, zu erklären, daß sie keinen belgischen Soldaten in Verdacht hätten, da die gegenteilige Behauptung ihnen schädlich wäre. So hatte die Besatzung die eidliche Erklärung, daß kein Soldat in Frage käme.

Dem Wirt P. Hüttenes wurde von 2 belgischen Soldaten in seiner Wirtschaft eine Brieftasche mit 900,- Mk. entrissen. Beim Appell glaubte er die beiden wieder zuerkennen, wagt aber nicht sie zu bezeichnen. Nach dem Appell erklärte ihm dann ein Belgier, es wäre sein Glück gewesen, daß er keinen bezeichnet hätte; der Kommandant hätte ihn sicherlich einstecken lassen.
Einige Einzelheiten aus der Besatzungszeit sollen nun noch erwähnt werden: Die Bestimmung bezgl. des Aufenthaltes im linksrh. Gebiet für solche, die nicht hier geboren, traf auch für verschiedene Arbeiter des Stahlwerks zu; doch wurde ihrem Gesuch um Aufenthaltsgenehmigung stattgegeben.
bekebo-Postkartensammlung
An der Düssesdorferstraße 87 wurde ein Offizierskasino eingerichtet. Die dafür beschaffenen Einrichtungsstücke wirkten aber nicht einheitlich genug, darum wurden die requirierten Sachen zurückgegeben und in Krefeld mußte  eine ganz neue Einrichtung hierfür besorgt werden. Für das Kasino hatte die Gemeinde zu liefern:
Butter, Milch, Wein, Eier u.a.m. Im übrigen griff die Besatzung ziemlich in alle Dinge ein, orientierte sich über alles und jedes. Zunächst einmal erklärte sie alle deutschen Gesetze, die nach dem 12.12.1918 erschienen, als ungültig für das besetzte Gebiet und der Regierungspräsident mußte den selbstverständlichen Vorrang aller Besatzungsverfügungen gegenüber seinen eigenen Anordnungen verfügen. Der Dienstverkehr mit der Besatzung mußte in französischer Sprache erfolgen. Eingaben in deutschen Lettern wurden als „unleserlich“ zurück-gegeben. Hindenburgs Dank an die Bevölkerung vom 23.2.19 durfte nicht veröffentlicht werden. Die Bildung und der Uebertritt zu Ostschutzformationen im Januar 1919 wurde untersagt. Die Verfolgung und Bestrafung deutscher Deserteure wurde verboten.

Marienstrasse-Stadtarchiv
Bis Ende Juli 1919 mußten sich die ehemaligen Reserveoffiziere allwöchentlich zur Kontrolle melden. Auch weiterhin wurde von Ihnen ein besonderer Ausweis verlangt. Alle Männer der Jahrgänge 1868 -1901 mußten sich zu einer besonderen Kontrolle auf dem Rathaus einfinden. Prozessionen und Umzüge waren verboten; so durften am Weißen Sonntag 1919 die Kommunionkinder nicht wie üblich am Marienplatz abgeholt werden. Ebenso war das Flaggen der HÄUSER AN DEM Tage verboten; später war nur das Flaggen in den deutschen Nationalfarben untersagt; im übrigen mußte es 48 Stunden vorher beim Kreisdelegierten beantragt werden. Auch die Markusprozession war untersagt, doch fand diese infolge eines Irrtums doch statt. Die Fronleichnamsprozession durfte zwar, nachdem sie anfänglich verboten war, abgehalten werden; doch war das Böllerschießen beim Segen untersagt. Auf Befehl der Besatzung mußten die Bilder des belgischen Königspaares in verschiedenen Schaufenstern mehrere Tage ausgestellt werden. Immer wieder wurden Bahn- und Postverkehr für Tage und Wochen unterbunden. Selbst innerhalb des besetzten Gebietes wurden die Reisegesuche wiederholt abgelehnt. Die Gemeinderatswahlen im Frühjahr 1919 wurden anfänglich untersagt. Später wurden sie genehmigt, nachdem zuvor die Wahlvorschläge mit Kennzeichnung der politischen Stellung der einzelnen Kandidaten eingereicht worden waren. Wahlversammlungen mußten 48 Stunden vorher angemeldet werden und wurden stets durch einen belgischen Beamten überwacht, der vor allem darauf achtete, daß nur die vorher gemeldeten Redner sprachen. Die Anheftung von Plakaten für die Wahl wurde ausdrücklich untersagt. Dem Kontrolleur der Zivilverwaltung mußte die gesamte Dienstpost Rechtsrheinisch expeditionsfertig abgegeben werden, der sie nach Prüfung weitergab. Die Section économieque interessierte sich in langen Fragebogen für das gesamte Wirtschaftsleben, für Einrichtung und Betrieb der hiesigen Werke, für ihre Erzeugung und den Absatz. Der Zivilkontrolleur verlangte Pferde- und Rindviehlisten, die stets auf dem laufenden Tagesbestand zu halten waren. Im September 1919 war ihm eine Liste aller Obstbäume der Gemeinde einzureichen und im Dezember 1920 erkundigte er sich nach dem Kubikinhalt des Gasometers. Er verlangte Auskünfte über das Steueraufkommen, die Monatsabschlüße der Gemeinde- und Sparkasse mußten vorgelegt werden. Dazu mußten der ganze Briefwechsel mit der H.C.J.A. alle Berichte und Aufstellungen stets in 4 bzw. 6 facher Ausfertigung eingereicht werden. Selbstverständlich durften alle Veröffentlichungen und Anschläge erst nach erfolgter Censur erfolgen. Als die Entwertung kam, mußten alle Waren in deutscher Währung ausgezeichnet sein

erster Weltkrieg - AKH-Fischeln
Verschiedentlich wurden Wirtschaften für mehrere Tage geschlossen z.B. Holzapfel 3.1. – 17.1.1919 / Ballmann und Fink 20.5.1919 für 8 Tage / Plück und Holzapfel 4.6.1919 für 8 Tage. Die Polizeistunde für den Straßenverkehr war teilweise auf 8 Uhr später wurde sie auf 8 1/2 bezw. 9 1/2 Uhr festgesetzt. In den Schulen wurden alle Uebungen untersagt, die nur im Geringsten nach militärischen Uebungen aussahen z.B. Schulwanderungen, Marsch in Reihen zu vier, in Gruppen usw. Bei Anstellung von Beamten beanspruchte die Besatzungsbehörde ein Genehmigungsrecht, wodurch es besonders schwierig war, Angestellte aus dem rechtsrheinischen Gebiet zu bekommen. Auch über anderen Veränderungen im Beamtenapparat durch Tod, Amtsniederlegung, Krankheit und Urlaub verlangt die Besatzung Mitteilung und behielt sich Einspruch vor. So gab es kein Gebiete, in das die Besatzung nicht eingegriffen hätte; gewiß, man gewöhnte sich nach und nach daran, daß die belgische Flagge auf dem Rathaus wehte; die uniformierten Beamten grüßten die Offiziere der Besatzung nach Vorschrift, jedoch Fahnentrupps ging man nach Möglichkeit aus dem Wege, um die ruhmreichen belgischen Fahnen nicht grüßen zu müssen; sobald man einen belgischen Posten sah, verließ man den Bürgersteig, um nicht von diesem unsanft hinabgestoßen zu werden. Die Verwaltung ertrug die drückende, unangenehme Beaufsichtigung ihrer ganzen Arbeit in der stillen Hoffnung auf andere Zeiten.

Crefelder Geschichte – eine neue Rubrik

Hallo zusammen,

Krefeld ist eine spannende Stadt. Industrie, viel Grün, der Rhein, Eisenbahn, ein Flugplatz, viel Kultur. Und Krefeld hat eine spannende und interessante Geschichte. Und die gilt es, sich erzählen zu lassen. Viele von Euch wissen ja, das wir im sozialen Netzwerk Facebook recht gut vertreten sind. Neben unserer Seite, betreiben wir vor allem viel Zeit und Aufwand um uns in den vielen Krefelder Facebook-Gruppen zu engagieren.

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Eine kleine, aber sehr feine, Gruppe heißt „Crefelder Geschichte“. Die dortige Administratorin, welch cooles Wort, Beate, hat sich bereit erklärt, hier immer mal wieder ein paar Gedanken zur Krefelder Geschichte loszuwerden. Geniale Sache, die noch an Wert gesteigert wird durch die Tatsache, dass auch andere Gruppenmitglieder hier mit Infos und Texten zum Gelingen beitragen werden. Aber, lassen wir Beate mal selbst zu Wort kommen….

„In diesem Blog der Mediothek- Krefeld darf ich ab sofort als Administrator der Gruppe „Crefelder Geschichte“ in lockerer Folge etwas zu unserer Stadtgeschichte beitragen. Ich möchte aber auch manchmal Beiträge einiger Gruppenmitglieder präsentieren und hänge an meinen Ausführungen einen Bericht zum Deichbau von Johan Crasemann.
Der Deich schützt die Bewohner unsere Stadt und es ist noch nicht so lange her, als das Rheinwasser auf dem „Alten Markt“ stand. In der Vergangenheit konnte man das Hochwasser auch schon mal in Bockum sehen, wie eindringlich im Tagebuch von Claes ter Meer beschrieben wurde.

Denn im Frühjahr 1740 ist Claes ter Meer mit seinem Großvater nach Bockum gegangen und hinter dem Bockumer Feld stand schon das Wasser vom Rhein.

Am 18. Januar 1742 schrieb sein Bruder Abraham: „Der Rhein ist hoch mit Eis zugefroren gewesen und aus diesem Grund geht das Eis zur Stunde in eine große Überschwemmung über
Auch 1776 wurde Uerdingen überschwemmt. Unzählige Menschen ertranken und die Eisschollen lagen noch im Frühjahr auf dem „Alten Markt“ in Uerdingen.
Im Jahr 1784, war das hoch aufgetürmte Eis so festsetzt, dass seine Bewegungsgeräuche bis nach Bockum zu hören waren. Vom Uerdinger Rheintor wurde ein Weg über das Eis zur anderen Rheinseite angelegt. Und wieder lief das Wasser nach Uerdingen ein. Unzählige Tiere ertranken und die Schäden an Häuser und Strassen waren extrem – so arg, das die Reparaturen ein Jahr lang dauerten. Jahre später war die Überflutung in einem Ausmaß, das die Menschen in höheren Stockwerken mit nur wenig Brot und etwas Ofenholz aushalten mussten. Das Eis war auf den Straßen und in den Kellern gefroren und es war nicht sicher, ob die Häuser dem Druck des Eises standhielten. Mitte Februar 1799 zerstörten die Eismassen das gesamte Kirchenschiff von St. Peter und es brach auseinander.
Quelle RP

Die Uerdinger mussten immer wieder mit diesen Wassermassen rechnen. Als der Rhein im Winter 1890/91 zufror, zog es auch meinen Urgroßvater als Junge zur anderen Rheinseite. Diese Gelegenheit nutzten dann später die Urgroßeltern während des Krieges – davon existierten Fotos. Leider gingen 1967 nach dem Tod der Urgroßeltern viele Bilder verloren. Mittlerweile ist aber der Rhein so aufgewärmt, dass er nicht mehr zufrieren wird. Allerdings haben meine Familie und ich ein unglaubliches Hochwasser 1995 erlebt, als das Wasser nur wenig entfernt von der Deichkrone schwappte. Da war das Rheintor aber schon lange mit schweren Balken und Sandsäcken geschlossen

Ich wohne in Uerdingen nahe dem Rhein – für mich die Lebensader am Niederrhein, ist der Fluss doch Europas meist befahrenste und längste Wasserstraße Deutschlands.“

Und wo wir gerade bei Thema Rhein sind, folgt jetzt direkt der, von Beate angekündigte Artikel von Johan Craseman…viel Spaß beim lesen 😉

Vater Rhein – der neue Deich wird gebaut
Von Johan Crasemann

Uerdingen. Ohne Mühe rammt eine Spezialmaschine die meterlangen und tonnenschweren Spundbohlen in den Uerdinger Rheindeich. Mit dem neuen Hochwasserschutz werden vor allem die Bürger der Rheinstadt geschützt. Denn so friedlich der Rhein sich in diesen Tagen zeigt, so zerstörerisch kann er während eines Hochwasser mit seiner unbändigen Kraft wirken. Diese leidvolle Erfahrung haben die Krefelder in den vergangenen Jahrhunderten ohne einen effektiven Deichschutz immer wieder machen müssen. Unter Hochwasser und Eisgang litten in erster Linie die Rheinstädter.

Vor über 700 Jahren zerstörte der Fluss sogar das erste Uerdingen. Auf einer Rheininsel in unmittelbarer Nähe des einstigen römischen Kastells Gelduba (Krefeld-Gellep) soll dieses erste Uerdingen gelegen haben. Die zivile Siedlung wurde als Schutz vor feindlichen Überfällen vom Festland auf eine Insel verlegt. Ausgrabungen lassen auf Hochwasseropfer schließen. „Wo sich diese neue Siedlung jedoch genau befand, lässt sich archäologisch bislang nicht exakt nachweisen“, sagt Christoph Reichmann, Leiter des Museums Burg Linn. Vieles spräche für eine direkte Nähe zum alten römischen Hafen und damit für eine Verlegung auf eine dem Hafen vorgelagerte Rheininsel.

Denn der Hafen wurde auch nach den Römern durch die Franken weiter betrieben, wie die drei im Jahr 1972 entdeckten Lastkähne beweisen. Mit der C14-Methode wurde nachgewiesen, dass einer aus dem 10. Jahrhundert stammt. in anderes Schiff stammt aus dem 13. Jahrhundert, jenem Jahrhundert, in dem das alte, kurkölnische Städtchen Uerdingen durch den Rhein zerstört wurde. Mindestens bis in diese Zeit muss der Hafen und ein Ort an der Mündung des Linner Mühlenbaches auf einer Rheininsel gelegen haben. Denn neben den Kähnen fanden die Archäologen bei den Hafenarbeiten Anfang der 1970er-Jahre auch zahlreiche Hinweise von Siedlungsspuren und Hochwasserschäden im Bereich der alten Mühlenbachmündung in den Rhein. Keramikscherben und zerbrochene Tierknochen deuten auf die Siedlung. Außerdem wurden Artefakte aus dem 13. Jahrhundert entdeckt sowie römische, karolingische und hochmittelalterliche Scherben. „Die Knochen haben wir erst im Zusammenhang mit der Einrichtung der Schiffshalle am Museum näher untersuchen lassen. Dabei zeigte sich, dass ein Teil der Knochen von Menschen und Tieren wahrscheinlich von Hochwasseropfern stammt, so dass es offenbar im 13. Jahrhundert ein mit großen Schäden verbundenes Hochwasser im Bereich der Mühlenbachmündung gegeben hat“, so Reichmann.

Wie viele Menschen dort lebten und wie groß die Stadt letztlich war, darüber berichten historische Quellen nichts. In einer Urkunde aus dem Jahr 1324, die der Uerdinger Lehrer und Heimatforscher Franz Stollwerck zur Datierung der Stadterhebung (1255) nutzte, wird allerdings ein Grund für die Verlegung durch den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg (1275 bis 1297) erwähnt: „Da die Stadt jedoch durch den Andrang des Rheins allmälig mit dem Untergang bedroht wurde.“ Das „allmälig“ (im lateinischen Text „successive“, „nachrückend“) deutet auf einen Prozess hin, der sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hinzog. Durch den Rhein müssen dabei auch die Kirche und der Friedhof von Alt-Uerdingen zerstört worden sein. Zum Untergang Uerdingens scheinen also diverse Hochwasser geführt zu haben, ausschlaggebend könnte jedoch ein Hochwasser 1279 gewesen sein. Wie verheerend dieses gewesen sein muss, verdeutlicht die Überlieferung, dass auch die gut 1,5 Kilometer landeinwärts am Mühlenbach gelegene alte Kirche von Linn zerstört worden sein soll.

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Trotz der wiederkehrenden Fluten versuchten Bürger und Landesherren, sich gegen den Rhein zu schützen. Im Jahr 1618 fehlte den Uerdingern schlichtweg das notwendige Holz für den Uferschutz; ein Hochwasser zerstörte in diesem Jahr große Teile der Ringmauer. In recht kurzen Abständen folgten nun schwere Überschwemmungen: 1622, 1625, 1630, 1635, 1639 und 1647. Im Jahr 1658 riss der Fluss den Wall und die Stadtmauer neben der Burg ein, Vieh ertrank und ein Teil des Ufers brach ab. Bei einem besonders schweren Hochwasser 1726 fuhr man mit Nachen (Kähnen) durch die Stadt. Am 17. März 1740 notierte der Krefelder Claes ter Meer in sein Tagebuch: „Nachmittags bin ich mit meinem Großvater nach Bockum gegangen, um das Hochwasser zu sehen. Bereits in Bockum floss das Wasser.“ Überschwemmt wurde die Rheinstadt wieder 1776. Viele Menschen ertranken. Noch im Mai lagen Eisschollen auf dem Marktplatz.

In den nächsten 200 Jahren kam es wiederholt zu schlimmen Hochwasserfluten wie nochmals 1926, als das Wasser nur 70 Zentimeter von der Deichkrone entfernt stagnierte. Das Rheintor drohte zu brechen.

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Als sich Risse zeigten, warnte Glockengeläut die Bürger vor der möglichen Gefahr. Doch das Tor, verstärkt durch zahlreiche Stützen, hielt dem Druck stand. Von den „Fluten“ zeugen heute nur noch die Pegelmarken am Rheintor, zuletzt aus dem Jahr 1995 mit dem Höchststand von 11,57 Meter.

Mit der aktuellen Sanierung des Rheindeiches wird nun ein wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzes für circa 25 000 Bürger umgesetzt. Die Arbeiten sollen zum Jahresende abgeschlossen sein.

So, wir hoffen, Euch hat der erste Exkurs in die Geschichte gefallen. Da kommt noch mehr. Die Fotos stammen von Beate selbst, bzw. von uns.

Euer Mediotheksteam